ACHTUNG: Gemeinschaftskonto ersetzt nicht letztwillige Verfügung:

Der Erblasser und seine Ehefrau eröffneten bei der Bank ein Gemeinschaftskonto.
Auf den Kontoeröffnungsunterlagen war u.a. wörtlich abgedruckt:

"Im Todesfall kann der überlebende Ehegatte als Mitinhaber das Konto, Depot
beziehungsweise den Safe auflösen oder auf seinen Namen umschreiben lassen."

Der Erblasser und seine Ehefrau waren daher der Meinung, dass für den Erbfall
eines Ehegatten als geregelt sei, und sahen daher von einer gegenseitigen
Erbeinsetzung ab. Vielmehr sahen sich diese nur veranlasst, für den Fall des
gleichzeitigen Versterbens bzw. für den Fall des beiderseitigen Todes letztwillig
zu verfügen. Die Eheleute verfügten daher im Wege eines gemeinschaftlichen
Testamentes wie folgt:

"Wir, die Eheleute XY setzen unsere Erben ein wie folgt: ......"

Das Nachlassgericht ist der Auffassung, dass eine gegenseitige Erbeinsetzung nicht
vorliegt, und die überlebende Ehegattin durch das Testament enterbt sei.
Dem dürfte im Ergebnis zuzustimmen sein.

Zwar ist in der Regel davon auszugehen, dass die Inhaber eines Gemeinschaftskontos
im Innenverhältnis jeweils hälftig berechtigt sind, so dass nur das hälftige Bank-
guthaben Nachlassbestandteil ist, während die andere Hälfte ohnehin schon dem Vermögen
des überlebenden Ehegatten zuzurechnen ist. Soll der überlebende Ehegatte aber
Alleinerbe bzgl. des in den Nachlass fallenden Anteils sein, muss entsprechend testiert
werden. Die Mitkontoinhaberschaft führt nur dazu, dass im Verhältnis zur Bank über das
Guthaben verfügt werden kann. Die Rechtsnachfolge, und damit die Frage, wer über das
Guthaben berechtigt verfügen darf, bestimmen sich ausschließlich nach erbrechtlichen
Vorschriften.

Hätten im vorliegenden Fall die Eheleute gar nicht testiert, wäre der überlebende
Ehegatte wenigstens gesetzlicher Erbe zu ¾ geworden. Nunmehr kann er lediglich seinen
Pflichtteil iHv. 3/8 geltend machen.

Falls die Voraussetzungen vorliegen, wäre ggf. noch an eine Testamentsanfechtung wegen
Irrtums zu denken.

Der vorliegende Fall zeigt, dass die anwaltliche Beratung einer Beratung durch die
Bank vorzuziehen sein dürfte!