Eine beabsichtigte, aber unterlassene letztwillige Verfügung
kann nicht durch Auslegung ersetzt werden
vgl. OLG München vom 14.06.2012 - 31 Wx 151/09


So entschied das OLG München am 14.06.2010 in einem Fall, in welchem die Erblasserin
zwar letztwillig verfügt hatte, jedoch nur über einen Teil ihres Nachlasses.

In ihrem handschriftlichen Testament führte die Erblasserin sinngemäß aus,
dass ihr derzeitiges Vermögen im Wesentlichen aus der Wohnungseinrichtung,
den persönlichen Sachen und dem Bankguthaben bei der Stadtsparkasse A bestehe.
Ferner erklärte die Erblasserin fünf Personen zu ihren Erben und wandte diesen
jeweils 5.000 € zu. Abschließend führte die Erblasserin aus, dass ein eventueller
Restbetrag unter den Vorgenannten Personen aufzuteilen sei.

Tatsächlich verfügte die Erblasserin nicht über ca. 25.000 €, sondern über ca. 400.000 €.

Das Gericht hatte nunmehr zu entscheiden, ob die fünf genannten Personen jeweils
Erben zu 1/5 geworden sind.
Das OLG München kam dabei zu dem Ergebnis, dass es sich in Anbetracht der
Größenverhältnisse bei den zugewandten Beträgen nur um Vermächtnisse handelt,

und eine Erbeeinsetzung im Übrigen nicht erfolgte.
Vielmehr gelte hinsichtlich des Restbetrages von ca. 375.000 € die gesetzliche Erbfolge.
Diese beruhe zwar nicht auf dem Willen der Erblasserin; das Ergebnis ließe sich aber
auch nicht im Wege einer ergänzenden Auslegung korrigieren.

Wegen der strengen erbrechtlichen Formvorschriften könne eine unterlassene
Verfügung nicht durch Auslegung ersetzt werden.